So baut die Witt-Gruppe ihre AI Content Factory

Die M+M Trendsession 2025 im Pforzheimer Zentrum für Präzisionstechnik, stand ganz im Zeichen des rasanten Wandels durch Künstliche Intelligenz. Max Otto und Sebastian Keusch von der Witt-Gruppe lieferten in ihrem Vortrag „Von der Katalogfabrik zur AI Content Factory“ einen packenden Einblick, wie sie die Content-Produktion revolutionieren, um der explosionsartigen Nachfrage in der digitalen Welt Herr zu werden.

Die Botschaft: Angesichts der enormen Entwicklungssprünge in der KI sei die Frage nicht mehr, ob, sondern wie schnell Unternehmen diese neuen Technologien implementieren. „Seit August dieses Jahres sind wir in einer neuen Welt“, betonte Max Otto, Division Manager Brand and Content, und beschrieb damit die Aufbruchsstimmung im Unternehmen.

Der Druck der Transformation

Er skizzierte zunächst die Herausforderung: Die Witt-Gruppe, ein international tätigesTextilhandelsunternehmen, das seit 1987 zur Otto-Group gehört, befinde sich in einer kompletten Geschäftsmodelltransformation. Der Umsatzanteil des E-Commerce wachse stetig. Im Kataloggeschäft habe das Unternehmen die Kontrolle, doch im Online-Bereich müsse es sich zum „Magneten“ entwickeln, der Kunden aktiv anziehe. Stichwort: Suchschlitzproblem. Um Kunden ohne Katalogimpuls zu gewinnen, müsse die Marke entlang der gesamten Customer Journey präsent sein, was eine Vervielfachung des benötigten Contents bedeute: mehr Bilder, mehr Videos, mehr Animationen.

Der manuelle Aufwand sei hierbei nicht mehr tragbar. Max Otto zeigte anhand eines Beispiels, dass für sechs Produkte in einer Kampagne über verschiedene Kanäle und Sprachen hinweg mehr als 1.500 Assets benötigt werden. Die logische Konsequenz: „Ohne Content Automation schaffen wir das nicht. Oder wir müssten Unmengen an Personal einstellen.“. Das Zielbild der Witt-Gruppe sei daher der Aufbau einer KI-gestützten Content Factory, die Content per KI erstelle und automatisiert zu hochpersonalisierten Marketing-Assets zusammenbaue.

Von der Blackbox zur Kontrolle

Sebastian Keusch, Product Lead für KI Bildgenerierung und Content Automation, erklärte, wie dieser Sprung gelingt. Im Fokus standen demnach die Generierung eigener, markenkonformer virtueller Models und das passgenaue Anziehen dieser Models mit den Produkten. Dank der Einführung von Kontextmodellen sei es der Witt-Gruppe gelungen, die einstige „Black Box“ der Bildgenerierung zu kontrollieren. Keusch erklärte den Aha-Moment: „Die Bildgenerierung ist mittlerweile so gut, dass nur noch der Kontext fehlt.“

Den Erfolg bewiesen sie eindrücklich am Beispiel der Marke Shigo, die schnell neue Produktbilder in großen Konfektionsgrößen benötigte. Mittels KI (unter anderem mit Nano Banana und dem Workflow-System Netm) wurden für 1.000 Artikel mehr als 5.000 Bilder generiert, wobei jedes Bild virtuell erstellt worden sei. Die Schnelligkeit sei dabei revolutionär: „Mit unserem optimierten Workflow benötigt ein komplettes Bildset nur 70 Sekunden zur Generierung“. Die Kosten pro Bild sanken dabei auf nur 4 Cent (ohne Upscaling).

Von Automatisierung zu Content on Demand

Die Transformation ist jedoch nicht nur eine technische, sondern auch eine organisatorische Herausforderung. Max Otto hob hervor, dass Kernfragen wie die Rollenverteilung zwischen IT und Fachbereichen neu beantwortet werden müssten. Zudem müsse das Tempo des Experimentierens („Develop the Business“) deutlich schneller sein, als es klassische Security- und Compliance-Regeln oft zulassen würden.

Wichtig sei es, die Mitarbeitenden auf dieser Reise mitzunehmen. Art Directoren müssten lernen, Bilder nicht mehr traditionell zu produzieren, sondern zu prompten. Dies biete immense kreative Freiheit: „Der Kreativität sind alle Tore geöffnet. Ein Art Director kann sich das Bild jetzt genauso generieren, wie er es sich immer gewünscht hat“, sagte Keusch.

Langfristig sei das Ziel der Content on Demand: Content solle personalisiert und in Echtzeit für den Kunden erstellt werden. Keusch blickt zuversichtlich voraus: Man werde in Zukunft nicht mehr das Bild selbst speichern, sondern den Kontext. Der Weg dorthin erfordere jedoch noch bessere Datenqualität und die Anpassung der bestehenden Shopsysteme.

Autor: Gerd Lache, BadenPresse

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