Skip to main content

Politik Reloaded: Was uns die KI über die Macht des Storytellings lehrt

Wenn künstliche Intelligenz unser Denken, Arbeiten und Entscheiden neu programmiert, ist die Frage nicht, ob sich die Welt verändert, sondern wie schnell. Mit dieser Botschaft endete die M+M Trendsession 2025 „Ctrl + Shift + AI“ in Pforzheim.

Mit einem dynamischen Schlusspunkt präsentierte der renommierte Wahlkampfstratege Julius van de Laar – einst Teil des Obama-Wahlkampfteams in den USA – seine brisante Analyse zur Revolution der politischen Kommunikation. Die anschließende Diskussion machte deutlich: KI ist bereits mitten in den Wahlkämpfen angekommen und verändert die Spielregeln von Grund auf.

Gefahr für die Demokratie

Van de Laar zeigte auf, dass die Geschwindigkeit und der Enthusiasmus, mit dem KI operiert, einerseits unfassbare Möglichkeiten bieten, aber andererseits auch eine immense Gefahr für die Demokratie darstellen würden. Bereits heute eroberten Deepfakes das politische Parkett, von humorvollen, aber irreführenden Bildern bis hin zu hochmanipulativen Demobilisierungskampagnen.

Um die Gegenwart zu verstehen, blickte van de Laar zurück auf die Anfänge der datengetriebenen Politik, die 2012 mit dem Obama-Wahlkampf in Ohio begann. Er demonstrierte, wie in den USA durch die Kombination von Wählerregistrierungsdaten, demografischen Angaben und kommerziell erworbenen Informationen (von Payback bis zur Auto- oder Amazon-Bestellhistorie) hochgranulare Profile von Wählern erstellt wurden, teils mit bis zu 20.000 Datenpunkten pro Person. Auf Basis dieser Daten wurden sogenannte Propensity Models entwickelt, die es ermöglichen, mit knappen Ressourcen hochwirksam die richtigen unentschlossenen oder wahlfaulen Wähler gezielt zu mobilisieren.

Manipulative Inhalte produziert

Der Sprung ins Jahr 2024, die sogenannte „Erste KI Election“, zeigt, dass diese Daten nun mit generativer KI kombiniert werden. Die Folge: Die Produktion von maßgeschneiderten, teils manipulativen Inhalten (Creatives) ist nicht länger durch Manpower begrenzt. Van de Laar belegte die Schockwirkung dieser Entwicklung anhand des berühmten „Robocalls“-Skandals in New Hampshire, der darauf abzielte, Joe-Biden-Wähler gezielt vom Urnengang abzuhalten.

Angesichts der Tatsache, dass Wahlen manchmal nur durch wenige Dutzend Stimmen entschieden werden, sei die Gefahr der gezielten Demobilisierung immens. Studien belegen zudem die signifikante Überzeugungskraft von KI: Chat GPT, mit den richtigen Daten gefüttert, könne Menschen zu 70 bis 80 Prozent dazu bringen, gegnerische Positionen zu übernehmen.

Die Kernbotschaft Julius van de Laars: Fakten gewinnen im modernen Wahlkampf nicht mehr. Was zählt, sei die Storyline, das Narrativ und der Kontrast, da es bei Wahlen immer um Emotionen gehe. Er bezeichnete Donald Trump als den „Chefproduzenten seiner eigenen Reality“, der eine permanente Kampagne betreibe und konstant parallel laufende „Netflix-Staffeln“ (Migration, Law and Order etc.) mit Cliffhangern inszeniere, um die Öffentlichkeit mit einem konstanten Informationsfluss zu überfluten.

Politik muss wirksam kommunizieren

Im Hinblick auf Deutschland forderte van de Laar mehr Mut zum Handeln und zur Inszenierung. Angesichts der Tatsache, dass 72 Prozent der Bürger glauben, die deutsche Politik sei nicht mehr handlungsfähig, sei es entscheidend, eine positive Zukunftsvision zu entwickeln. Politiker müssten handeln und dies auch kommunikativ wirksam zur Schau stellen, um die Bevölkerung nicht weiter zu verlieren.

Autor: Gerd Lache, BadenPresse

M+M-Gruppe

Maximilianstraße 104
75172 Pforzheim
Deutschland

T: +49 7231 941 0
E: info@meyle-mueller.de