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Professor Kölmel warnt: „Wer KI nicht versteht, wird so irrelevant wie ein Ochsentreiber“

Die Warnung war unmissverständlich: „Wer KI nicht bedienen und verstehen kann, wird im Arbeitsmarkt der Zukunft so irrelevant sein wie der Ochsentreiber nach der Einführung des Traktors.“ Mit dieser provokanten Aussage elektrisierte Professor Dr. Bernhard Kölmel das Publikum bei der Trendsession 2025 von Meyle+Müller im Zentrum für Präzisionstechnik (ZPT) in Pforzheim.

Der führender Experte für Technologiemanagement, digitale Transformation und Innovationsmanagement an der Hochschule Pforzheim sowie Vorsitzender des Transformationsnetzwerks (TraFoNetz) Nordschwarzwald, war einer der hochkarätigen Rednern der M+M-Fachveranstaltung mit dem Thema: „Ctrl + Shift + AI – Wie KI unser Denken, Arbeiten und Entscheiden neu programmiert“.

Unternehmen sind nicht auf KI vorbereitet

Professor Kölmel betonte, wie groß der Graben zwischen technologischer Entwicklung und unternehmerischer Realität ist. Er zitierte eine Harvard-Studie, wonach die KI-Revolution unaufhaltsam sei, die meisten Unternehmen jedoch „nicht im geringsten darauf vorbereitet“ seien.

Das Dilemma: Die KI-Funktionalitäten wachsen exponentiell, während Führungskräfte in Unternehmen die Zukunft oft nur linear denken. Dies führe zur massiven Unterschätzung der Tragweite der Entwicklungen. Die Folge sei eine oberflächliche Nutzung. Indes: Durch die Demokratisierung der KI werde Expertise billig und reichlich, was die Arbeitswelt radikal umwälze.

Der Experte stellte klar: Ähnlich wie vor mehr als 100 Jahren die Einführung des Traktors mittelfristig 94 Prozent der Bauern überflüssig machte, treffe die Automatisierungswelle nun die White-Collar- und Kreativberufe. Man könne sich dieser Veränderung nicht entziehen.

Fehlende Kompetenz

Das größte Hindernis für die erfolgreiche Implementierung von KI liegt laut Kölmel in der fehlenden Kompetenz. Er kritisierte die weit verbreitete Schatten-KI (bring your own AI), bei der Mitarbeitende unkoordiniert und amateurhaft eigene KI-Tools nutzten. Dabei trete häufig der Dunning-Kruger-Effekt auf, bei dem Anwender nach ersten Erfolgen glauben, sie seien bereits gut – bevor sie im „Tal der Tränen“ erkennen, dass sie doch nichts können.

Diese Inkompetenz führe dazu, dass aktuellen Studien zufolge mehr als 90 Prozent aller generativen KI-Projekte scheitern würden. Kölmel formulierte drastisch: Von den gescheiterten Projekten sind 93,99 Prozent darauf zurückzuführen, dass die Anwender die Systeme nicht richtig nutzen.

Kritisches Denken notwendig

Als zentrale Gegenmaßnahme forderte der Hochschul-Professor die Schulung von AI-Kompetenz und insbesondere des kritischen Denkens. Angesichts des sogenannten „Brandolini’s Law“ sei dies besonders wichtig. Dieses 2013 formulierte „Gesetz“ beschreibt die Asymmetrie zwischen dem Aufwand, der nötig ist, um Unsinn (Bullshit) oder Falschmeldungen (Fake News) zu verbreiten, und dem Aufwand, der nötig ist, um sie zu widerlegen.

Die Entwicklung gehe rasant weiter, vom generativen hin zum agentischen System. Ein KI-Agent sei ein Softwaresystem auf Basis von Large Language Models (LLM), das in der Lage sei, den Kontext zu erfassen, Ziele zu planen und autonom zu handeln. Am Beispiel eines Elektrokomponenten-Herstellers zeigte Kölmel auf, wie autonome Agenten die gesamte Lieferkette optimierten und dadurch 80 Prozent der Mitarbeiterkapazität von operativen zu strategischen Aufgaben umverteilt werden konnten.

Digitale Agenten erledigen Aufgaben

Für das Marketing prognostizierte Kölmel den baldigen Tod der SEO (Search Engine Optimization). Diese werde abgelöst durch AxO (Agent Experience Optimization). Die Logik dahinter: Künftig buchen nicht mehr die Menschen, sondern ihre Agenten im Auftrag des Nutzers Reisen oder bestellen Kleidung. Die Gestaltung der Schnittstellen müsse sich daraufhin optimieren, dass der Agent das beste Ergebnis erkennen könne.

Für Deutschland sah Kölmel trotz des drohenden KI-Tsunamis eine große Chance: Da die Bundesrepublik stark prozessorganisiert sei wie kaum ein anderes Land, seien die Voraussetzungen ideal, diese Geschäftsprozesse mittels KI abzubilden.

Autor: Gerd Lache, BadenPresse

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