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KI als unaufhaltsame Super Factory –was bedeutet das für das Arbeiten der Zukunft?

Die Frage ist nicht, ob Künstliche Intelligenz unsere Arbeitswelt neu programmiert, sondern wie schnell. Mit dieser Botschaft katapultierte Philipp Bauknecht, CEO der Software-Schmiede Medialesson und Microsoft Regional Director, die Teilnehmer der M+M Trendsession 2025 im Zentrum für Präzisionstechnik (ZPT) in die Dimensionen der globalen KI-Infrastruktur. Bauknecht lieferte tiefe Einblicke in den KI-Kosmos von Microsoft und machte klar: Die Technologie ist heute schon massiver, günstiger und mächtiger, als die meisten annehmen.

Gigantische Infrastruktur als Basis

Die Grundlage für die exponentielle Entwicklung der KI bilde eine Infrastruktur von gigantischem Ausmaß. Bauknecht zeigte, dass die Ausbaugeschwindigkeit dieser Rechenkapazitäten weiterhin exponentiell verläuft; allein 2025 sei mehr Kapazität zugebaut worden, als vor drei Jahren weltweit existierte. Neue, ausschließlich für KI konzipierte Data Center, sogenannte „AI Super Factories“, verfügen laut Bauknecht über eine enorme Rechenleistung. Ein einziges solches Azure Data Center, wie das in Wisconsin eröffnete, besitze die zehnfache Leistung des aktuell schnellsten Supercomputers an einer beliebigen Hochschule oder Forschungseinrichtung weltweit.

Dieses unglaubliche Wachstum, gekoppelt mit effizienteren Algorithmen, führe zu einem dramatischen Preisverfall. Der Medialesson-CEO betonte, dass die Kosten, gemessen in Token, gegenüber dem Stand von Mai 2023 massiv gesunken seien. KI werde zur Commodity. Unternehmen müssten sich nicht mehr fragen, ob sie in eigene Hardware investieren, sondern ob sie lieber über globale Anbieter wie Microsoft garantierte Datensouveränität wählen.

KI als Grundvoraussetzung

Trotz der rasanten technologischen Fortschritte befinde sich die generative KI nach dem „Gartner Hype Cycle“ momentan auf dem Weg in das „Tal der Enttäuschung“ (Trough of Disillusionment), da die Erwartungen oft utopisch seien. Dies dürfe jedoch nicht über die faktische Notwendigkeit hinwegtäuschen: Wer heute neue Software-Produkte auf den Markt bringt und keine KI einplant, wird es schwer haben, diese zu verkaufen. „KI ist kein Differenzierungsfeature mehr, es ist eine Grunderwartung an jede moderne Software.“

Im Kern dieser Anwendungen stehen Bauknecht zufolge KI-Agenten, die Sprachmodelle nutzen, um autonom eigene Pläne zu entwickeln, Aufgaben zu lösen und Werkzeuge auszuwählen – etwa um auf eine Bestellung oder eine Serviceanfrage zu reagieren.

Die Dreiteilung der KI-Nutzung

Microsoft adressiert die Anwendungsmöglichkeiten der KI in drei Schichten:

1. IaaS (Azure Machine Learning): Für Unternehmen, die eigene KI-Modelle entwickeln (nur für wenige relevant).

2. PaaS (Azure AI Foundry): Hier findet laut Bauknecht die meiste Aktivität statt. Kunden erhalten Zugriff auf einen Katalog von rund 11.000 fertigen Sprachmodellen (etwa von Open AI, Meta, Mistral), die sie über standardisierte Schnittstellen in ihre Anwendungen einbauen.

3. Anwendungsebene (Copiloten): Fertige AI-Tools, die lediglich lizenziert und verwendet werden.

Besonders spannend sei die Möglichkeit des Fine Tunings: Unternehmen können demnach Basismodelle mit ihren eigenen Daten anpassen, sodass das resultierende Modell ihre spezifische IP und ihr Know-how enthalte.

Revolution in der Software-Entwicklung

Der Microsoft-Regionaldirektor veranschaulichte anhand von GitHub Copilot, wie sich die Rolle des Software-Engineers radikal wandelt: Ein Projekt, das normalerweise elf Tage benötigt hätte, wurde allein durch die Eingabe einer Anforderung als Prompt in 14 Minuten und 45 Sekunden umgesetzt – inklusive Code, Teststrategie und automatisierter Tests.

Die eigentliche Herausforderung verschiebt sich vom Schreiben des Codes zur präzisen Definition der Anforderungen. Das Konzept des „Ephemeral Development“ (kurzlebige, temporäre Entwicklungsumgebungen) hält Einzug: Der Code selbst werde zu einer Momentaufnahme. Er könne in einigen Monaten schneller und besser neu erzeugt werden, so Bauknecht.

Die Kehrseite: KI ersetzt Jobs

Die Automatisierung führe jedoch zu einem Dilemma. Bauknecht sieht alle Rollen im Bereich der Sachbearbeitung, des Vertriebsinnendienstes und der juristischen Assistenz als technisch lösbar an: „Alles, was heute unter das Thema Sachbearbeitung fällt, sind, hart ausgesprochen, Medienbruch-Überwinder-Jobs.“. Diese Berufe seien durch KI ersetzbar.

Diese Entwicklung zeige sich bereits auf dem Arbeitsmarkt: In den USA gebe es momentan kaum noch Einstiegsjobs für Junior-Software-Ingenieure, was zu einem ungelösten Problem führe: „Wenn nur noch KI den Content generiert und niemand mehr die Grundlagen der Programmierung lernt, drohen Qualitätseinbußen bei zukünftigen Trainingsdaten (das sogenannte Model-Drift) und eine Lücke bei der Entwicklung neuer Technologien.“

Bauknecht mahnte abschließend an, dass Europa im globalen KI-Wettbewerb den Anschluss zu verlieren drohe. Es fehle nicht nur an der notwendigen Datenrundlage, sondern auch an der Investitionsbereitschaft. Die mediale Fokussierung auf die Gefahren statt auf die Chancen der KI spiegele ein problematisches Mindset wider.

Autor: Gerd Lache, BadenPresse

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